Fesselspiele. Ein Auszug aus der Halunkenreise

Bisschen Sadomaso für zwischendurch, as read @ gONZo-Psychosause im Peng, 31.05.2013

Als er erwachte, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass er seinen Körper nicht mehr bewegen konnte. Weder seine Arme noch seine Beine gehorchten seinen Befehlen, und augenblicklich stieg Panik in ihm auf, weil er noch zu deutlich in Erinnerung hatte, wie sich so etwas anfühlte. Die Panik vertrieb die Schlaftrunkenheit, und schnell realisierte er, dass er schon noch funktionierte, nur vorübergehend außer Gefecht gesetzt worden war: Jemand hatte seine Hand- und Fußgelenke mit Seilen umschnürt und am Metallgestell des Bettes festgezurrt, jemand, der jetzt im Schein eines Kerzenstummels am offenen Fenster vor schwarzem Nachthimmel stand und eine Zigarette rauchte, jemand, dessen langes rötlichbraunes Haar im Kerzenlicht feurig leuchtete.

„Ach, Scheiße“, stieß Foucault aus und drückte frustriert den Hinterkopf ins Kissen.

„Du bist wach! Schön“, säuselte Elli vom Fenster her und offenbarte ihm ihre breiten Schneidezähne in einem freudigen Lächeln.

Sie hatte ihre Stiefel ausgezogen und stand barfuss auf den groben Dielen, die Haare, die sie während ihrer Reise aus praktischen Gründen oft hochgesteckt getragen hatte, lagen offen auf ihren Schultern und gaben ihr ein verspielt kindliches Erscheinungsbild, das Foucault umso mehr in Unruhe versetzte. Dagegen sprachen die Wunden auf ihrer Wange und Stirn und die hässlichen Brandnarben an ihrem linken Arm, die blauen Flecke an ihren Beinen und das zerschlissene, verdreckte rote Kleid, das sie immer noch trug. Dass Foucault sie in diesem Augenblick so unwiderstehlich fand, mochte nicht unbeträchtlich damit zusammenhängen, dass sie ihm gefährlicher schien als je zuvor.

Als sie langsam zum Bett schritt, wirkte sie in sich ruhend und entfesselt zugleich und strahlte eine Präsenz aus, die ihm den Atem nahm. Foucault spürte, dass etwas Entscheidendes geschehen würde. Kurz blieb sie an seinen Füßen neben dem Bett stehen und schaute ihn mit schief gelegtem Kopf an, dann hüpfte sie unerwartet ungestüm auf die Matratze und ließ sich rittlinks auf seinen Oberschenkeln nieder, die Füße auf der Bettdecke und die Knie angewinkelt, sodass Foucault keine andere Wahl hatte, als ihr direkt auf ihr primäres Geschlechtsorgan zu blicken. Dass es verhüllt war, kümmerte seine Fantasie nicht im Geringsten. Elli stützte die Unterarme auf ihre Knie und reckte interessiert das Kinn vor. „Na also, ich wusste doch, dass du davon sofort spitz wirst. Ihr Männer seid so verdammt berechenbar“, stellte sie mit amüsiertem Blick auf seinen Schritt fest. „Was zur Hölle willst du von mir?“, schimpfte Foucault mit aller Standfestigkeit, die er trotz seiner massiven Erregung und seiner misslichen Lage aufzubringen hatte. Elli lachte leise und wühlte mit der rechten Hand ihr Haar auf, ihr Blick verhieß Überlegenheit. „Ach, weißt du, Jean-Luc… Ich hab uns ein Schiff klargemacht, wir stechen morgen in See. Und da dachte ich, wär doch gut, wenn wir zwei vorher mal noch so n paar Dinge klären würden, oder?“, plauderte sie und strich dabei wie beiläufig über seinen angeschwollen Schwanz, der das schwarze Wildleder seiner Hose zum Spannen brachte. Foucault unterdrückte ein Stöhnen und giftete: „Verdammte kleine Mistkröte. Was hat dein krankes Hirn denn jetzt schon wieder ausgekotzt?“ Elli lachte herzlich und fasste fest zu. Diesmal entwich unweigerlich ein Seufzer seinen Lippen. „Also, Jean-Luc, ich hab mir das so gedacht. Wir zwei werden ja jetzt noch eine Weile zusammen sein, und ich weiß nicht, ob dus gemerkt hast, aber das sind so Spannungen zwischen uns… Die würd ich gerne lösen, weißt du?“ Zu diesen Worten knüpfte sie seinen Gürtel auf, schob seine Hose beiseite und griff ohne weiteres Federlesen nach seinem Geschlechtsteil, um es bedächtig in ihrer Hand zu wiegen. Foucault schloss für einen kurzen Moment die Augen und biss die Zähne zusammen. Die Fesseln zerrten an seinen Handgelenken. Er suchte in seinem Kopf nach einer angemessenen Reaktion, sah jedoch ein, dass das Bilden eines zusammenhängenden Satzes für ihn zur Unmöglichkeit geworden war. Also knurrte er nur „Sag bloß“ und reckte ihr unwillentlich seinen Unterleib entgegen. Er wusste, dass das nicht wirklich das sein konnte, was hier schlussendlich geschehen würde, und doch konnte er seinen Körper nicht daran hindern, sich Illusionen zu machen. „Ja, denn wenn wir weiter so zusammen sein wollen, dann ist das total wichtig, das die Fronten klar sind und so. Dass wir ehrlich zueinander sind, das alles.“ Rhythmisch ließ sie ihre Hand an seinem Penis auf und nieder gleiten. Foucault stöhnte verzweifelt auf. Während er sonst zwar leicht zu erregen war, in seiner Erregung aber beträchtliches Durchhaltevermögen bewies, hatte er jetzt das Gefühl, bereits kurz vor einer Explosion zu stehen. Es konnte nicht an den linkischen Bewegungen ihrer Hand liegen, dass er so reagierte. Zu gerne hätte Foucault gewusst, woran es lag – er hatte die Ahnung, dass das für ihn vieles einfacher machen würde. Doch er kam nicht weiter als bis zu dieser überwältigenden Gewissheit, noch nichts Vergleichbares empfunden und noch nie mit einer derartigen Intensität gespürt zu haben, wie gnadenlos unterlegen er war.

„Ich weiß nämlich Bescheid, Jean-Luc. Ich weiß, was du gemacht hast… Was du Jonas angetan hast“, sagte sie. Foucaults Atmung setzte aus. Ihre Stimme klang jetzt beunruhigend sachlich. „Das war nicht nett, wie du ihn belogen hast, das hat ihm sehr weh getan. Wie du ihn zum Töten gebracht hast, erinnerst du dich? Ganz ehrlich, ich bin dir auch immer noch ziemlich böse deshalb.“ Aus irgendeinem Grund hatte Foucault keinen Zweifel an der Aufrichtigkeit dieser Worte. Zum ersten Mal kam ihm der Gedanke, dass er die Art und die Stärke der Verbindung, die zwischen Elli und Aspen herrschte, gewaltig unterschätzt haben könnte. „Und ich finde schon, du solltest dafür bestraft werden“, sprach sie, und im nächsten Moment spürte Foucault da unten etwas Kühles, und noch bevor er beim panischen Kopfrecken beinahe seine Nackenwirbel ausrenkte, wusste er, um was es sich handelte. Sie spielte sein Spiel, und sie spielte es gut. „Oh, Hölle!“, fluchte er entsetzt. Einer Trophäe, einem besonders guten Fang gleich hielt Elli seinen Schwanz triumphal in ihrem Griff und drohte ganz offenbar, ihn direkt an seiner Wurzel zu kappen, vielleicht, um ihn zum Andenken mit nach Hause zu nehmen, dorthin, wo es nach Schwefel stank. Obwohl Foucault nicht umhin konnte, die ganze Situation irgendwie aberwitzig zu finden, glaubte er nicht, dass sie bluffte. „Das findest du nicht besonders gut, was? Hast du dir aber selber eingebrockt“, urteilte sie mit seriöser Miene und verstärkte den Druck der Klinge. Foucault legte den Kopf ins Kissen und schloss die Augen, doch das half nicht viel. Kalter Schweiß brach auf seiner Stirn und seiner Oberlippe aus.

Eine unendlich zähe Weile lang ließ sie ihn ausharren und gegen das Bedürfnis ankämpfen, sich durch Winseln und Flehen aus dieser katastrophalen Misere zu stehlen. Dann sagte sie: „Aber es wäre vielleicht ein Anfang, wenn du dich bei ihm entschuldigst – und wenn du versprichst, ab jetzt ganz brav zu sein, hm? Wie klingt das?“ „Fantastisch“, keuchte Foucault und linste mit zusammengekniffenen Augen an sich hinunter, um sicher zu gehen, dass alles noch war, wo es sein sollte. Elli wirkte jetzt sehr ernst, ihre Stimme war um einige Tonlagen in die Tiefe gerutscht und ihre hellen braunen Augenbrauen trafen sich beinahe in der Mitte. „Ich will, dass du in Zukunft brav bist, Jean-Luc“, wiederholte sie. „Ich will, dass du dich benimmst und machst, was ich dir sage. Ich will, dass du keine Fragen stellst. Ich will, dass du akzeptierst, wo dein Platz ist, und dass du keinen Unsinn mehr machst. Ist das klar?“ Foucault kaute auf seiner Unterlippe und krallte die Finger in das starre Bettlaken. Natürlich hatte er es eilig, der Bärenfalle zu entkommen, die sie ihm da gestellt hatte, aber die Gewissheit, dass er dieses Versprechen würde halten müssen, brannte unter seiner Haut. Elli räusperte sich vernehmlich. Er fühlte, wie sie die Finger fester zudrückte, als wolle sie sein bestes Stück kurzerhand erwürgen, und er wusste, sie bluffte nicht. „Ist klar, Boss“, spuckte er durch die Zahnlücke. Sie schaute ihn kritisch an, als ob sie darüber nachdenke, ob sie ihm glauben sollte, obwohl eigentlich längst klar war, dass er keine andere Wahl hatte, als zu gehorchen. Dann endlich spürte er, wie sich ihr Griff löste und auch der Druck der Messerschneide an seiner Haut verschwand.

Er atmete röchelnd ein, Erleichterung strömte in seine Lungen. Schön sorgsam packte sie seinen Penis wieder ein und knüpfte die Gürtelschnalle wieder zu. Als er sah, dass sie das Messer bereitwillig wieder in seinen Gürtel zurückschob, wollte ihn das beinahe schon ein bisschen versöhnlich stimmen, aber nur so lange, bis er realisierte, dass sie nicht vorhatte, ihn loszubinden. Irgendwoher kannte er das doch.

„Hey! Mach mich los… bitte“, fügte er an, die Gefahr, in der er immer noch schwebte, im Nacken spürend.

„Jetzt nicht“, antwortete sie bloß und grinste, wieder extrem gelassen, fast spielerisch, während sie von seinen Beinen herunter stieg und vom Bett hüpfte. Foucault schnaubte. Er wusste, dass es nichts gab, was sie hätte umstimmen können. „Dann brauch ich jetzt wenigstens eine Zigarette“, forderte er angesäuert. „Na klar doch“, zwitscherte sie und warf ihm mit wärmstem Lächeln ihren Tabakbeutel auf die Brust, während sie zur Zimmertür schlenderte. Foucault war dem Verzweifeln nahe. „Elli, verdammt! Komm zurück, du kleine Mistkröte!“ Abrupt drehte sie sich um und hob mahnend den Zeigefinger. „Na! Denk dran, was du versprochen hast!“ „Das ist doch nicht dein Ernst!“, rief er ihr wütend hinterher, während sie die Tür öffnete. „Fuck! Das kannst du ja wohl nicht von mir verlangen! Elli, verdammte Scheiße! Komm zurück!“

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